Stellungnahme der BFSB zu den Anmerkungen des MIL zur Novellierung der BbgBO

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Rahmen der derzeit laufenden Diskussion um die Novelle der Brandenburgischen Bauordnung (BbgBO) bezüglich der bauaufsichtlichen Regelzulassung eines nachhaltigen und regional verankerten Holzbaus für Gebäude aller Gebäudeklassen (GK) – insbesondere der GK 4 und 5 – nehmen wir zu den unten angesprochenen Fragen wie folgt Stellung:

1. Senkt die Zulassung von Holz als Baustoffen in den Gebäudeklassen 4,5, Sonderbau und bei Brandwänden das Schutzziel im Brandrecht? Und muss infolgedessen das Brandschutzkonzept umgebaut werden, da eine höhere Gefährdung entsteht?

Die Schutzziele nach Musterbauordnung (MBO) bzw. Brandenburgischer Bauordnung (BbgBO) sind ähnlich aufgebaut.

Der § 3 beinhaltet die „Allgemeinen Anforderungen“ an bauliche Anlagen („die öffentliche Sicherheit und Ordnung, insbesondere Leben, Gesundheit und die natürlichen Lebensgrundlagen“ dürfen „nicht gefährdet werden“).

§ 14 MBO (§ 14 BbgBO leicht abweichend) konkretisiert diese Schutzziele hinsichtlich des Brandschutzes: Bauliche Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch (Brandausbreitung) vorgebeugt wird und bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten möglich sind (in § 14 BbgBO zusätzlich „eine Entrauchung von Räumen“).

Die einzelnen §§ mit materiellen Anforderungen an Bauteile (MBO § 27 bis 32) enthalten jeweils zu Beginn das Schutzziel, das diese Bauteile zu erfüllen haben, z.B.:

  • § 27 „Tragende und aussteifende Wände und Stützen müssen im Brandfall ausreichend lang[1] standsicher sein“,
  • § 29 „Trennwände […] müssen als raumabschließende Bauteile von Räumen oder Nutzungseinheiten innerhalb von Geschossen ausreichend lang widerstandsfähig gegen die Brandausbreitung sein“,
  • § 30 „Brandwände müssen als raumabschließende Bauteile zum Abschluss von Gebäuden (Gebäudeabschlusswand) oder zur Unterteilung von Gebäuden in Brandabschnitte (innere Brandwand) ausreichend lang die Brandausbreitung auf andere Gebäude oder Brandabschnitte verhindern usw.

Diese Schutzziele (ausreichend lang) können auch durch Bauteile aus brennbaren Baustoffen, die auf Abbrand für einen ausreichend langen Feuerwiderstand berechnet sind, erfüllt werden. In diesen Berechnungen sind – ebenso wie für Bauteile aus nichtbrennbaren Baustoffen – Sicherheitsfaktoren enthalten, durch welche die Versagensgrenzen des Bauwerks bzw. des Bauteils höher ausgelegt werden, als es durch die theoretische Berechnung sein müsste. Für die Ermittlung bzw. den Nachweis eines ausreichenden Feuerwiderstandes und damit für die Erreichung der Schutzziele gem. MBO bzw. BbgBO spielen die verwendeten Baustoffe (nichtbrennbar oder brennbar) daher keine Rolle.

2. Haben freiwillige Feuerwehren durch diese Zulassung einen höheren Anteil von Bränden zu bewältigen?

Für die Entstehung von Bränden werden drei Faktoren benötigt: mobile Brandlast (brennbare Stoffe in Nutzungseinheiten, z.B. Möbel), Sauerstoff und Zündquellen (z.B. schadhafte Elektroinstallationen oder Brandstiftung). Durch die Verwendung brennbarer Baustoffe (Holz) in Baukonstruktionen (Bauteilen) erhöht sich die mobile Brandlast nicht. Ebenso wenig erhöht sich die Menge des vorhandenen Sauerstoffs noch der evtl. vorhandenen Zündquellen. Die Anzahl von Bränden, die durch die Feuerwehr zu bekämpfen sind, wird sich daher durch den Einsatz von Holz als Baustoff nicht erhöhen.

Anmerkung:

Im (für Menschen erträglichen) Temperaturbereich bis ca. 100°C unterscheidet sich das Brandverhalten einer 12,5 mm dicken Gipsplatte und einer für den Abbrand von 30 Minuten Feuerwiderstand (feuerhemmend) erforderlichen Holzschicht von ca. 25 mm nicht wesentlich. In beiden Fällen reagieren die Oberflächen kaum auf die einsetzende Temperaturerhöhung und es wird kein Rauch freigesetzt. In beiden Fällen wird ab dieser Temperatur etwa die gleiche Menge Wasser bzw. Wasserdampf (Gips ca. 2 l/m² 12,5 mm dicker Platte, Holz ca. 2 l/m² 25 mm dicker Schicht) freigesetzt, die eine weitere Erwärmung der Oberfläche verzögern. Erst ab einer Temperatur über 220°C setzt Holz – im Gegensatz zu Gips – zusätzliche Energie frei und leistet so einen Beitrag zum Brandgeschehen. Bei diesen Temperaturen ist eine Selbstrettung (Flucht) oder Fremdrettung von Personen nicht mehr möglich.

3. Wie ist die Situation des Brandschutzes und der Feuerwehrleute im Holzbauland Schweiz?

Die Schweiz ist seit langem vorbildlich in Sachen „Sicherheit bei Bränden“. Die Zahl der Brandtoten (pro Mio. Einwohner) ist dort – Stand 2016 – mit 2,5 etwa halb so hoch wie in Deutschland (4,7)[2]. Gleichzeitig sind die eidgenössischen Brandschutzvorschriften wesentlich moderater und übersichtlicher als hierzulande, z.B. ist der maximale Feuerwiderstand REI 60 (hochfeuerhemmend).

Ein durchdachtes Qualitätsmanagement bei Brandschutzplanung und Objektüberwachung durch einheitlich qualifizierte Fachplaner bzw. -bauleiter wird dafür gesorgt, dass die reduzierten Anforderungen sicher umgesetzt werden. Das ist weitaus effizienter als hohe Anforderungen, deren Durchführung an uneinheitlicher Ausbildung oder mangelnder Kompetenz der beteiligten Architekten, Ingenieure oder Behörden scheitert.

In den Jahren 2013 bis 2018 ist in der Schweiz – trotz einer umfassenden Reform des Baurechts und eines steigenden Anteils an genehmigten Gebäuden in Holzbauweise (2019 ca. 16%)[3] – die Anzahl der Feuerwehreinsätze mit ca. 13.000 in etwa gleich geblieben[4].

4. Ist es sinnvoll die §§26 und 28 in der LBO vor den technischen Baubestimmungen zu ändern, da selbige sonst nicht gelten würden sobald sie kommen?

Die beabsichtigten Änderungen des § 26 („4Abweichend von Abs. 2 Satz 3 sind andere Bauteile, die feuerbeständig oder hochfeuerhemmend sein müssen, aus brennbaren Baustoffen zulässig, sofern sie den Technischen Baubestimmungen nach § 85a entsprechen. 5Satz 4 gilt nicht für Wände nach § 30 Abs. 3, Satz 7 und Wände nach § 35 Abs. 4 Satz 7 Nr. 7“) bzw. des § 28 („Abweichend von Absatz 3 sind hinterlüftete Außenwandbekleidungen, die den Technischen Baubestimmungen nach § 85a entsprechen, mit Ausnahme der Dämmstoffe, aus normalentflammbaren Baustoffen zulässig.“) sind unsinnig, da man diese Änderungen prinzipiell in alle (oder keinen) §§ der Bauordnung aufnehmen könnte. Selbstverständlich müssen alle in baulichen Anlagen verwendeten Bauteile den „Technischen Baubestimmungen“ entsprechen, egal aus welchen Baustoffen sie hergestellt werden. Insofern ist ein ausdrücklicher Hinweis darauf für Bauteile aus brennbaren Baustoffen überflüssig.

Das auch bei „Wände[n] nach § 30 Abs. 3, Satz 7“ (Brandwänden) aus brennbaren Baustoffen die Schutzziele der MBO bzw. der BbgBO eingehalten werden können, wurde in Pkt. 1 schon erläutert. Das Gleiche gilt für „Wände[n] nach § 35 Abs. 4 Satz 7 Nr. 7“ (Wände von Treppenräumen in Bauart von Brandwänden).

5. Bleibt die Funktionalität von Außenwandbekleidungen, Brandschutzwänden, Treppenräumen, Fluren und Fahrschächten erfüllt?

Aus den oben aufgeführten Punkten wird deutlich, dass bei Bauteilen (Außenwände, Brandwände, Wände von Treppenräumen oder von Fahrschächten) aus brennbaren Baustoffen keine Abstriche hinsichtlich des Sicherheitsniveaus gegenüber gleichen Bauteilen aus nichtbrennbaren Baustoffen gemacht werden müssen. Ein Qualitätsmanagement bei der Brandschutzplanung und der brandschutztechnischen Objektüberwachung, insbesondere die Heranziehung einheitlich qualifizierte Fachplaner bzw. -bauleiter kann dafür sorgen, dass die Anforderungen der Bauordnungen entsprechend der Bauart und Komplexität der Bauteile sicher umgesetzt werden. Das gilt für den Einsatz brennbarer Baustoffe ebenso wie für den Einsatz nichtbrennbarer Baustoffe.

6. Ist die Erstellung von Typengenehmigungen sinnvoll?

Da erfahrungsgemäß jedes Bauwerk sehr individuell und einzigartig ist, sind Typengenehmigungen für Bauwerke wenig sinnvoll. Eine einheitliche Zulassungspraxis für Bauteile und Bauprodukte durch das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt), die Bauteile aus brennbaren Baustoffen nicht weiterhin massiv benachteiligt, wäre jedoch wünschenswert.

Freundliche Grüße

BFSB e.V.[5]

Reinhard Eberl-Pacan

1. Vorsitzender


[1] Hervorhebung durch den Verfasser

[2] World Fire Statistics Bulletin 2016

[3] Quelle: Gebäudedatenbank BFH-AHB

[4] Statistik des Schweizerischer Feuerwehrverbands

[5] In der Bundesvereinigung sind engagierte, ausgebildete und geprüfte Fachplaner, Sachverständige, sowie Absolventen eines Masterstudienganges für den baulichen Brandschutz zusammengeschlossen. Darüber hinaus bietet sie noch Anwartmitgliedschaften für Studenten. So sind auch fördernde und unterstützende Mitglieder dabei und jederzeit willkommen. Bauherren und Behörden bietet die Vereinigung Informationen über ortsnahe Sachverständige und spezialisierte Fachplaner. Schauen Sie sich auf unserer Website um und informieren Sie sich über unsere angebotenen Fachveranstaltungen und Fachthemen.