Scheideweg Bauordnung

Nach wie vor tut sich das Baurecht in Deutschland schwer mit dem eindeutig formulierten politischen und gesellschaftlichen Ziel einer verstärkten Verwendung nachwachsender Rohstoffe – insbesondere Holz und Holzwerkstoffe – im Bauwesen. Bundesländer, die derzeit an dazu erforderlichen Novellierungen der Bauordnungen arbeiten, stehen hier am Scheideweg: Lassen sie nach dem Beispiel Baden-Württembergs und Berlins nachhaltigen, ökologischen und sicheren Holzbau zu oder begeben sie sich auf den Irrweg in Richtung „Holzbaurichtlinie“ [1], die sich in der Umsetzung – besonders wegen der geforderten brandschutztechnischen Bekleidung der Holzbauteile durch Gipsplatten – als teuer und praxisfremd herausstellt und die teilweise zu erheblichen Bauschäden führt.

Argumente gegen die Ergänzungen zur MVV TB

Die jetzt vorgesehenen Änderungen Ergänzungen zu den MVV TB [2] dienen im Bereich Bauteile und Baustoffe dazu, die „Holzbaurichtlinie“ vollständig in das Baurecht zu zementieren. Neben den bekannten Unterscheidungen „von Teilen baulicher Anlagen“ in „feuerbeständig“, „hochfeuerhemmend“ oder „feuerhemmend“ wird für Bauteile aus Holz unter Buchstabe d) eine eigene Kategorie [3] eingeführt. Sie erschwert unnötigerweise den Einsatz von Bauprodukten zur Herstellung von Bauarten in Bauteilen aus Massivholz, wenn sie z.B. für feuerbeständige Bauteile geprüft wurden. Normbrandprüfungen u.a. von Abschottungssystemen in Holzrahmen- und Holzmassivdecken sowie -wänden haben jedoch auch bei diesen Bauteilen, unter entsprechenden konstruktiven Randbedingungen, ein nahezu äquivalentes Verhalten zu den aktuell geregelten in Bauteilen aus nichtbrennbaren Baustoffen gezeigt

Daneben werden in den MVV TB künftig Naturbrandmodelle für tragende Bauteile aus Massivholz mit Anforderungen an den Brandschutz ausgeschlossen. Dies ist durch nichts gerechtfertigt. Die genauere Betrachtung des zu erwartenden Brandes führt i.d.R: zu einer wirtschaftlicheren Bemessung gegenüber der konservativen Einheits-Temperaturzeitkurve (EKT). Bauteile aus nichtbrennbaren Baustoffen (Beton-Stahl-Verbund- oder ungeschützte Stahlskelettkonstruktionen etc.) können in erheblichem Umfang von diesen wirtschaftlichen Vorteilen profitieren. Auch bei Holzbauten spricht nichts dagegen, eine genauere Betrachtung des tatsächlichen Brandverlaufs, insbesondere bei Evakuierung oder Verrauchungssimulationen, bezüglich der Eingangsparameter wie Brandlasten oder die Ventilation im jeweiligen Gebäude, anzustellen und damit ein realistischeres Bild über mögliche Brandszenarien zu gewinnen.

Fazit

Um den politischen und gesellschaftlichen Willen einer verstärkten Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen im Bauwesen nachzukommen, sind praxisgerechte Vorgaben erforderlich, die flexibel und ohne aufwendige Gesetzgebungsverfahren von Experten aus den Reihen der Verbände (Normengeber) und des Handwerks weiterentwickelt werden. Die o.g. genannten Ergänzungen zu den MVV TB leisten aus Sicht der „Bundesvereinigung Fachplaner und Sachverständigen für den vorbeugenden Brandschutz“ dazu keinen Beitrag, sondern sind in der Baupraxis als weiterer Hemmschuh gegen eine nachhaltige, ressourcensparende und den CO2-Verbrauch senkende Bauwirtschaft.

Reinhard Eberl-Pacan

Vorsitzender des Vorstands

Bundesvereinigung Fachplaner und Sachverständige für den vorbeugenden Brandschutz e.V.

Literatur:

[1] Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an hochfeuerhemmende Bauteile in Holzbauweise – M-HFHHolzR“ (Fassung Juli 2004)

[2] Änderungen der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) – Ausgabe 2020/2 – Entwurf (September 2020)

[3] „Bauteile gemäß § 26 Abs. 2 Satz 4 MBO, die aus brennbaren Baustoffen bestehen dürfen und keine Hohlräume oder verfüllte Hohlräume sowie keine Dämmstoffe im Inneren aufweisen. Die Bauteile können in ihren tragenden und aussteifenden Teilen aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen.“