Brauchen wir eine neue Holzbaurichtlinie?

Initiative „Nachhaltiges Bauen mit Brandschutz“

Brauchen wir eine neue Holzbaurichtlinie?

Holzbau leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Bei der Herstellung und der Verwendung dieses Baustoffs entsteht kein klimaschädliches CO2 und im Vergleicht zu massiven Baustoffen wird kaum Energie benötigt. Das pfeifen nach über 30 Jahren Klimadebatte die Spatzen von den Dächern. Holz ist jedoch meilenweit davon entfernt, Standard-Baustoff für Neubauten zu sein. Das liegt zum großen Teil an den baurechtlichen Restriktionen, die sich hauptsächlich auf Brandschutzbedenken stützen.

Dass wir trotzdem keine neue „Richtlinie“ für den Holzbau benötigen, erläutern wir in unserer Initiative „Nachhaltiges Bauen mit Brandschutz“.

Holz ist brennbar und so unterliegt der Holzbau dem Generalverdacht, dass alles was brennbar ist, irgendwann auch brennen wird; ein Killerargument für den Brandschutz. Es gab und gibt immer wieder Bemühungen – auch unter dem Druck der Klimadebatte – diesen so „gefährlichen“ Baustoff ordentlich in die Landschaft des Baurechts einzupflegen, um ihn, bei Vermeidung aller tatsächlichen und gefühlten Gefährdungen, auch für höhere, insbesondere innerstädtische Gebäude, verwenden zu dürfen.

Einen frühen Anlauf in diese Richtung bildete 2004 die „Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an hoch feuerhemmende Bauteile in Holzbauweise“ (M-HFHHolzR) [1], besser bekannt unter dem verkürzten Namen „Holzbaurichtlinie“. Dieses Namensungetüm sollte zumindest für einen etwas höheren Bautyp mit minimierten Nutzungseinheiten einen brandsicheren Holzbau ermöglichen.

In der Praxis hat sich diese Richtlinie nicht bewährt. Die verwendeten Holzbauteile wie Wände oder Decken müssen z.B. aufwendig mit Gipskarton „gekapselt“ werden und es dürfen nur nichtbrennbare Dämmungen eingesetzt werden. Kaum ein Gebäude wurde lupenrein nach dieser Richtschnur errichtet und selbst ihre teilweise Anwendung (Reduktion der Kapselklasse) führte zu aufwendigen Detailausbildungen und damit zu erheblichen Mehrkosten.

Fünf Bundesländern, allen voran Baden-Württemberg, gingen seit 2015 einen anderen Weg. Sie erlauben Holzbau, mit deutlich reduzierten Einschränkungen, bis an die Hochhausgrenze. Das dieser Weg viel eher zum Ziel führt, zeigt der Umstand, dass bereits Hochhäuser nach diesem Muster gebaut und weiter geplant werden.

In diesem laufenden Prozess stellt das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt), Organ der ARGEBAU (Arbeitsgemeinschaft der für Städtebau, Bau- und Wohnungswesen zuständigen Minister und Senatoren der 16 Länder der Bundesrepublik Deutschland), den Entwurf einer „neuen“ Holzbaurichtline unter dem Namen „Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Bauteile in Holzbauweise für Gebäude der Gebäudeklassen 4 und 5“ (M-HolzBauRL) [2] zur Diskussion.

Das wäre durchaus löblich, würde dieser Entwurf sich deutlich von den Fehlentwicklungen der „alten“ Holzbaurichtlinie verabschieden. Viele Regelungen in der M-HFHHolzR, die u.a. die erforderliche Rauchdichtigkeit von Fugen und die Dicke der erforderlichen Gipskartonbekleidung betreffen, beruhen auf teilweise fraglichen Forschungsergebnissen.

Neuere Forschungen sprechen hier eine deutlich andere Sprache. Ihre ersten Ergebnisse, die auch von Forschungsergebnissen aus anderen europäischen Ländern, wie Österreich oder die Schweiz, gestützt werden, untermauern eher den Weg der fünf Länder-Dissidenten, die komplett auf eine Kapselung verzichten wollen.

Reinhard Eberl-Pacan
Vorsitzender des Vorstands
Bundesvereinigung Fachplaner und Sachverständige für den vorbeugenden Brandschutz e.V.

Literatur:
[1] „Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an hochfeuerhemmende Bauteile in Holzbauweise – M-HFHHolzR“ (Fassung Juli 2004)
[2] „Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Bauteile in Holzbauweise für Gebäude der Gebäudeklassen 4 und 5 – M-HolzBauRL“ (Stand: 23.05.19) Entwurf